28.08.2026

Corona, Des­in­for­ma­tion und der Wider­stand gegen Wind­kraft

Die Windkraft sei heutzutage so effizient, dass sie die Strompreise stark drücken kann, erklärt Markus Winter, Technikvorstand von Windkraft Simonsfeld. Doch mittlerweile werde jedes Projekt beeinsprucht und der Ausbau stark blockiert. Foto: Windkraft Simonsfeld.

Was haben die Proteste gegen die Corona-Massnahmen mit dem Widerstand gegen Windkraft zu tun? Offenbar mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

In einem lesenswerten Interview im österreichischen Standard beschreibt Markus Winter, Technikvorstand des Windkraftunternehmens Windkraft Simonsfeld, eine Entwicklung, die auch für die Schweiz und Liechtenstein interessant ist. Seine Beobachtung: Unter den heutigen Windkraftgegnern finden sich Personen, die zuvor bei Corona-Demonstrationen aktiv waren. Nach Corona hätten einige Gruppen ein neues Thema gesucht, auf das sie aufspringen konnten.

Winter spricht von einer zunehmenden Verbreitung von Falschinformationen und davon, dass mittlerweile praktisch jedes Windkraftprojekt mit Einsprachen konfrontiert werde. Besonders problematisch sei, dass es sehr viel einfacher sei, Ängste zu schüren, als sachliche Informationen zu vermitteln.

Das Interview ist allerdings nicht nur eine Abrechnung mit der Windkraftgegnerschaft. Es geht auch um die Frage, wie sich solche Konflikte entschärfen lassen. Winter berichtet etwa über Bürgerbüros und eine «partizipative Planungswerkstatt», bei der Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Fachleuten ein Energiekonzept für ihre Gemeinde entwickeln.

Interessant sind zudem seine Aussagen zur technischen Entwicklung: Windenergieanlagen seien heute wesentlich leistungsfähiger als noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig hinke der Netzausbau hinterher. Neue kamerabasierte Systeme mit künstlicher Intelligenz könnten zudem Vögel erkennen und Windräder gezielt abschalten, wenn eine Kollisionsgefahr besteht.

Eine weitere bemerkenswerte Aussage betrifft die Dauer von Projekten: Was früher in Österreich drei bis vier Jahre von der Planung bis zum Bau dauerte, kann heute 15 oder sogar 20 Jahre in Anspruch nehmen.

Zum Interview in „Der Standard“ vom 15. August 2026

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