23.07.2026
Windkraft in Liechtenstein: Sorgfältige Planung mit Rücksicht auf Mensch und Natur

Wie kann Liechtenstein künftig mehr eigenen Strom produzieren und gleichzeitig Natur und Landschaft schützen? Dieser Frage geht die Strategische Umweltprüfung (SUP) nach. Sie bildet die Grundlage für die Planung möglicher Windeignungsgebiete – und macht deutlich: Der Weg zu allfälligen Windenergieanlagen ist sorgfältig und mehrstufig.
Wichtig ist dabei: Noch wird über keine konkreten Windräder entschieden. Die SUP legt lediglich fest, welche Gebiete aufgrund der Windverhältnisse und einer umfassenden Interessenabwägung grundsätzlich für Windenergie infrage kommen könnten. Erst in späteren Schritten wird über konkrete Projekte entschieden. Dafür wären unter anderem Anpassungen der kommunalen Planung, eine Umweltverträglichkeitsprüfung sowie ein ordentliches Bewilligungsverfahren erforderlich.
Rund zehn technisch und wirtschaftlich geeignete Standorte?
Der aktuelle Entwurf sieht sechs Windeignungsgebiete entlang des Rheintals vor. Dort könnten theoretisch 10 bis 20 Windenergieanlagen Platz finden. Weitere Gebiete mit Potenzial werden als Zwischenergebnis geführt; dort wären zunächst zusätzliche Abklärungen notwendig. Die Regierung weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass diese Zahlen lediglich theoretische Obergrenzen darstellen und nicht bedeuten, dass tatsächlich so viele Anlagen gebaut werden. Eine Potenzialstudie der Liechtensteinischen Kraftwerke (LKW) geht derzeit von rund zehn technisch und wirtschaftlich geeigneten Standorten aus.
Wichtig für die heimische Stromversorgung – vor allem im Winter
Die möglichen Windenergieanlagen könnten jährlich einen wichtigen Beitrag zur heimischen Stromversorgung leisten. Besonders wertvoll ist Windenergie deshalb, weil sie vor allem im Winterhalbjahr Strom produziert – genau dann, wenn Photovoltaikanlagen deutlich weniger Energie liefern und der Strombedarf besonders hoch ist. Damit ergänzt sie die Solarenergie sinnvoll und stärkt die Versorgungssicherheit Liechtensteins.
Schutz von Natur und Landschaft
Ein zentrales Anliegen der SUP ist der Schutz von Natur und Umwelt. Bereits auf strategischer Ebene werden zwölf Schutzgüter berücksichtigt – darunter Mensch, Tiere, Pflanzen, Landschaft, Wasser und Kulturgüter. Besonders sensible Gebiete wie Naturschutzgebiete, Trinkwasserschutzzonen oder Schutzwälder werden von vornherein ausgeschlossen. Erst danach erfolgt eine sorgfältige Abwägung zwischen Schutz- und Nutzungsinteressen.
Auch der Artenschutz wurde vertieft untersucht. Für einzelne Bereiche – insbesondere in Balzers und Teilen von Ruggell – sehen Fachleute erhebliche Herausforderungen für Vögel und Fledermäuse. Dort wären teilweise umfangreiche Schutzmassnahmen erforderlich oder auf Windenergieanlagen zu verzichten. Andere Teilgebiete weisen hingegen ein deutlich geringeres Konfliktpotenzial auf und kommen deshalb als Windeignungsgebiete infrage. Dies zeigt, dass Naturschutz nicht erst bei einem Bauprojekt berücksichtigt wird, sondern bereits die Auswahl geeigneter Standorte entscheidend mitprägt.
Als Nächstes werden die Stellungnahmen aus der öffentlichen Konsultation ausgewertet. Erst danach entscheidet die Regierung, welche Windeignungsgebiete definitiv in den Landesrichtplan aufgenommen werden. Ob und wo später tatsächlich Windenergieanlagen entstehen, wird erst in den nachfolgenden Projekt- und Bewilligungsverfahren entschieden.
Weitere Informationen: www.llv.li
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