03.11.2026
Energiestrategie 2030: Gute Halbzeitbilanz – aber beim Heizen läuft es in die falsche Richtung

Die Regierung zieht eine positive Halbzeitbilanz zur Energiestrategie 2030. Die drei übergeordneten Zielpfade seien eingehalten, der Anteil erneuerbarer Energien liege über den Vorgaben. Ein genauerer Blick in den sechsten Monitoringbericht zeigt allerdings ein differenzierteres Bild. In wichtigen Bereichen kommt die Energiewende nicht wie gewünscht voran.
Heizungsersatz entwickelt sich in die falsche Richtung
Besonders ernüchternd ist die Entwicklung beim Ersatz fossiler Heizungen. Der Anteil fossiler Heizsysteme an allen neu eingebauten oder ersetzten Heizungen ist in den letzten drei Jahren kontinuierlich gestiegen: von 26 Prozent im Jahr 2023 auf 31 Prozent 2024 und mittlerweile 38 Prozent im Jahr 2025. Auch bei der installierten Leistung entfallen inzwischen 58 Prozent auf fossile Anlagen.
Allein 151 bestehende fossile Heizungen wurden 2025 wiederum durch Öl- oder Gasheizungen ersetzt. Gleichzeitig ist die Zahl der geförderten erneuerbaren Heizungen von 307 auf 252 zurückgegangen. Auch die Ersatzrate insgesamt sinkt.
Die Folgen sind langfristig: Noch immer werden 67 Prozent aller Heizungen in Liechtenstein fossil betrieben. Wenn sich der Trend fortsetzt, wird sich dieser Bestand nur sehr langsam reduzieren. Der Monitoringbericht selbst hält deshalb fest, dass die Politik gefordert ist, Kurskorrekturen einzuleiten. Offenbar reichen die bisherigen freiwilligen Anreize nicht aus. Die Solargenossenschaft hat eine Abwrackprämie für fossile Heizungen gefordert, da ein Verbot politisch nicht gewollt ist.
Auch im Verkehr bleibt viel zu tun
Bei den Neuzulassungen waren 2025 lediglich 25 Prozent der Personenwagen vollelektrisch. Der Anteil elektrischer und hybrider Fahrzeuge am gesamten Fahrzeugbestand beträgt erst 8,7 Prozent. Auch hier bleibt die Entwicklung hinter den Erwartungen zurück.
Zielpfade eingehalten – aber nicht alle Ziele gesichert
Der Endenergieverbrauch sank 2025 nur noch um 0,1 Prozent, nachdem er im Vorjahr noch um 3,4 Prozent zurückgegangen war. Der Anteil erneuerbarer Energien liegt mit 31,5 Prozent zwar über dem Zielwert von 30 Prozent. Der PV-Ausbau bleibt erfreulich, hat sich gegenüber den Vorjahren aber ebenfalls abgeschwächt.
Besonders wichtig ist ein weiterer Hinweis im Bericht: Das verschärfte Klimaziel von minus 55 Prozent bis 2030 dürfte mit Inlandmassnahmen knapp verfehlt werden.
Die Halbzeitbilanz ist somit weniger beruhigend, als es die Medienmitteilung der Regierung vermuten lässt. Die Ziele der Energiestrategie sind weiterhin erreichbar. Dafür braucht es aber mehr als eine positive Bilanzierung. Gerade beim Heizungsersatz und bei der Elektrifizierung des Verkehrs sind wirksame zusätzliche Massnahmen notwendig. Die Energiewende braucht nicht nur Zielsetzungen, sondern auch eine konsequente Umsetzung.
Quellen:
Medienmitteilung der Regierung vom 3.11.26
6. Monitoringbericht zur Energiestrategie 2030
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