26.02.2025

Windenergie ist keine massgebliche Gefahr für den Rotmilan

© Richard Crossley, CreativeCommons

Das Projekt LIFE-Eurokite Plus hat auf Basis von Bewegungsdaten von mehr als 2’000 Vögeln die wichtigsten Todesursachen des Rotmilans ermittelt. Damit liegen erstmals wissenschaftlich belastbare Zahlen zur Mortalität des für Europa wichtigen Greifvogels vor. Eine entscheidende Erkenntnis: Windenergie spielt in Deutschland wie auch europaweit eine untergeordnete Rolle.

Das Projekt LIFE-Eurokite Plus ist ein in der Ornithologie einmaliges Forschungsprojekt, da es mit GPS-gestützten Bewegungsdaten sowie mit Obduktionsanalysen gestorbener Vögel arbeitet. Diese wissenschaftliche Tiefe ist verbunden mit der bisher unerreichten Anzahl von über 2’000 telemetrierten Vögeln in der Europäischen Union und der Schweiz. Diese wurden in Spanien und anderen europäischen Ländern besendert und bei ihren Streifzügen über ganz Europa hinweg verfolgt.

Über eine ganze Lebenszeit

Erstmalig wird nicht mit Zufallsfunden gearbeitet, sondern eine grosse Zahl an Vögeln über ihren gesamten Lebenszeitraum hin beobachtet. Unabhängig vom Fundort der toten Tiere wurden diese in jedem Fall obduziert, um die Todesursache klar zu bestimmen. Das heisst: Auch wenn ein toter Vogel an einer Autobahn gefunden wurde, wurde das Tier trotzdem obduziert, um prüfen zu können, ob es beispielsweise einer Vergiftung erlegen war. Die Studie produziert damit erstmals Daten von hoher wissenschaftlicher Belastbarkeit und Güte.

Schienen- und Strassenverkehr

Unter den Todesursachen in Deutschland liegt das Gefressenwerden durch andere Tiere mit rund 41 % der Todesfälle auf Platz eins. Mit deutlichem Abstand folgt auf dem zweiten Platz der Schienenverkehr. Mehr als elf Prozent der besenderten Vögel kamen hier zu Tode. Ebenfalls rund zehn Prozent der Tiere starben im Strassenverkehr. Damit sind diese drei Faktoren gemeinsam für fast 63 % aller Todesfälle verantwortlich. Die Windenergie rangiert mit nur 8.3 % auf Platz fünf von zehn untersuchten Faktoren. Damit steht fest: Windenergieanlagen sind keine existenzielle Bedrohung für den Rotmilan.

Bestand in der Schweiz steigt

Diese Erkenntnisse decken sich mit den Zahlen zum Bestand des Rotmilans. Dieser ist in Deutschland in den vergangenen Jahren ungeachtet des weiter voranschreitenden Ausbaus der Windenergie an Land stabil geblieben. Zudem sinkt mit steigender Höhe der Anlagen die Kollisionswahrscheinlichkeit deutlich, da sich die Rotoren inzwischen zunehmend ausserhalb des Flugbereichs des Rotmilans befinden. Die Vogelwarte Schweiz hält auf ihrer Homepage fest: «Der Rotmilan hat sich bei uns in den letzten Jahrzehnten deutlich ausbreiten können.»

Quelle: suisse-eole.ch

Alle News →

Ähnliche Beiträge

  • Wind­park Gott­hard: 99.99 Pro­zent der Zug­vö­gel flie­gen si­cher über die Wind­rä­der

    Während insgesamt 36 Monaten wurde auf dem Gotthard der Vogelzug rund um die fünf Windenergieanlagen beobachtet. Lionel Perret, Geschäftsführer von Suisse Eole, fasst zusammen: «Gemäss der publizierten wissenschaftlichen Studie überquerten in diesem Zeitraum 1’700’000 Zugvögel den Windpark, 99.99 Prozent davon liessen sich von den Windrädern nicht beeinträchtigen!» Eine neue Studie aus der Schweiz sorgt für […]

    mehr erfahren →

  • Wind­kraft und PFAS: Fehl­alarm

    Zu hohe PFAS-Werte in Böden, Fleisch und Milch: In den vergangenen Monaten jagte eine Hiobsbotschaft die nächste. In den Fokus rücken deshalb auch Windräder. Kritikerinnen und Kritiker befürchten, dass durch den Materialabrieb an den Rotoren noch mehr PFAS in den Boden gelangt. Tatsächlich kommen bei vielen Windradtypen Ewigkeitschemikalien als Beschichtung der Rotorblätter zum Einsatz, die […]

    mehr erfahren →

  • Zugvögel meiden Windräder: Neue Studie mit verblüffendem Ergebnis

    Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Zugvögel erkennen offenbar die Gefahr durch drehende Windräder und weichen ihnen aus — und zwar weit häufiger als bislang angenommen. In dem im Auftrag der Windbranche durchgeführten Forschungsprojekt wurden an einem küstennahen Windpark bei Husum über vier Zugzeiten hinweg sowohl tagsüber als auch nachts die Flugbewegungen von Millionen Vögeln mit Radar- […]

    mehr erfahren →

  • CH: Hauskatzen töten 30 Millionen Vögel im Jahr – eine Windenergieanlage durchschnittlich 20

    Gemäss den Schätzungen des Bundesamtes für Energie werden in der Schweiz jährlich 36 Millionen Vögel aufgrund menschlicher Aktivität getötet: rund 30 Millionen sterben durch Hauskatzen, 5 Millionen kollidieren an Glasfassaden und 1 Million erwischt es im Verkehr. Dies hielt der Bundesrat in der Fragestunde vom 13.12.21 fest. Bei der Windenergie wird der Vogelschutz sehr genau […]

    mehr erfahren →

News teilen: