23.04.2019

Doch nicht weniger Windpotenzial als vermutet?

Der Wind blase in der Schweiz weniger stark als im Vorfeld der Abstimmung über das Energiegesetz 2017 behauptet. Dies stelle das Potenzial der Windkraft für die Umsetzung der Energiewende in Frage. Stimmt nicht, sagen nun die Gegner.

Neue Windmessungen ergaben, dass der Wind in der Schweiz weit weniger stark bläst als bisher errechnet. Der vom Bundesamt für Energie (BfE) herausgegebene Windatlas 2019, der auf 100 Meter genau ausweist, wie stark und kontinuierlich die Winde wehen, zeigt gegenüber seinem Vorgänger 2016 deutlich geringere Werte.  Im Mittel seien die Windgeschwindigkeiten um etwa 0,5 Meter pro Sekunde tiefer als angenommen, in vielen Gebieten gar deutlich tiefer.

Swiss Eole, die Vereinigung zur Förderung der Windenergie, relativiert dazu die Aussagekraft des neuen Atlas: «Die Windwerte weichen teilweise massiv vom realen Windaufkommen ab», sagt Geschäftsführer Reto Rigassi und wirft den Windenergie-Gegnern vor, sie nähmen den neuen Windatlas zum Anlass dafür, sorgfältig geplante Projekte und das Windenergiepotenzial generell infrage zu stellen. Damit lägen sie doppelt falsch. Der Zielwert des BfE von 4,3 Milliarden Kilowattstunden stamme von 2004, als die damalige Windkarte für weite Landesteile und besonders fürs Mittelland viel zu tiefe Windwerte angezeigt habe. Das reale Windpotenzial sei höher, teilweise auch höher als im neuen Windatlas ausgewiesen. Zudem sei man bei der Potenzialabschätzung noch von kleineren Anlagen ausgegangen, die jährlich 1 bis 2,5 Millionen Kilowattstunden produzieren. Heutige Anlagen, wie sie in der Schweiz geplant würden, seien zwischen 150 und 210 Meter hoch und produzierten mit 4 bis 6 Millionen Kilowattstunden bereits ein Mehrfaches. Und die technische Entwicklung dauere an.

Quelle und ausführlicher Artikel: NZZ vom 12. April 2019

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