02.02.2026
Alpine Solaranlagen in der Schweiz: Potenzial und Grenzen

In den letzten Jahren hat die Schweiz mit dem Förderprogramm «Solarexpress» versucht, den Bau grosser Photovoltaikanlagen in den Alpen zu beschleunigen. Ziel dieser Initiative war es, besonders im Winter mehr erneuerbare Energie zu produzieren, wenn in tieferen Lagen oft Nebel und geringere Solarerträge vorherrschen. Drei Jahre nach dem Start haben die bisherigen Erfahrungen interessante Einblicke geliefert.
Erste Anlagen liefern Strom
Ein auffälliger Befund ist das Tempo, mit dem erste Projekte realisiert wurden: Während vor wenigen Jahren solche Anlagen nur auf dem Papier existierten, sind heute in mehreren Kantonen wie Graubünden und Uri bereits Anlagen im Bau oder liefern Strom. Insgesamt hat etwa die Hälfte aller vorgemeldeten Projekte die Zustimmung der lokalen Bevölkerung erhalten, was zeigt, dass grosse Solaranlagen in alpinem Gelände durchaus Akzeptanz finden können. Ebenso haben Umweltorganisationen in einigen Fällen konstruktiv mitgewirkt, indem sie auf bestimmte Anliegen hingewiesen haben, statt pauschal zu opponieren.
Zurückhaltung der Energiekonzerne
Bei genauerer Betrachtung kommen aber auch die Grenzen des Vorhabens zum Vorschein. Die ursprünglichen Erwartungen, mit diesen Anlagen zwei Terawattstunden Strom pro Jahr zu erzeugen, werden nach aktuellem Stand nicht erreicht. Ein Grund dafür liegt in der Zurückhaltung vieler Energiekonzerne: Die hohen Kosten für Bau, Stahlstrukturen und die schwierigen alpinen Bedingungen erschweren die Wirtschaftlichkeit und machen es schwierig, Abnehmer für den teureren Strom zu finden. Viele Energieversorger realisieren einzelne Projekte vor allem aus politischem Druck, sind wirtschaftlich aber wenig motiviert, weitere Anlagen zu bauen.
Diese Entwicklung zeigt, dass grosse Solaranlagen in den Alpen zwar realisierbar sind und von Teilen der Bevölkerung unterstützt werden, ihre Rolle beim Ausbau der erneuerbaren Energien aber begrenzt bleibt. Entscheidend bleibt, wie sich politische Rahmenbedingungen, Kostenstrukturen und die Bereitschaft der Energiebranche in Zukunft weiterentwickeln.
In Liechtenstein ist das einzige konkret diskutierte Projekt für eine alpine Freiflächenanlage – auf Sareis – vorerst gescheitert.
Quelle: srf.ch
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